Optische Täuschung

Motiv – FototechnikÄsthetik – Aussage

 

Optische Täuschungen sind die Spielwiese der Wahrnehmungspsychologie. Und sie zeigen, dass eine Fotografie mehr ist als ein rein geometrisch definierbares und beschreibbares Objekt. Die einzelnen Objekte innerhalb eines Fotos können sich gegenseitig beeinflussen. Obwohl geometrisch korrekt, wirken sie möglicherweise seltsam falsch. Für die Komposition eines Fotos sind solche Zusammenhänge nützlich. Unter anderem zeigen optische Täuschungen, dass die visuelle Wahrnehmung ein aktiver und komplexer Prozess ist. Eine Fotoapparat sieht eine Foto-Szene als Ganzes und zeichnet in einem kurzen Moment jedes Detail auf. Das Auge tastet die Foto-Szene ab und setzt sie im Gehirn erst zusammen. Bei Betrachtung eines Fotos einer Szene ist das genauso. Das Auge schweift über das Foto, sieht dies und jenes, ignoriert anderes, und vergisst dabei auch laufend weniger wichtige Details.

Ein noch einfach zu erklärender Fall ist die perspektivische Täuschung. Sie tritt auf, wenn sich real in unterschiedlicher Entfernung befindliche Objekte im Foto überschneiden bzw. zusammenkleben. In der Realität ist das Auge meistens in der Lage, durch die notwendige unterschiedliche Entfernungsfokussierung die reale Lage der Objekte zu erkennen. Auf dem Foto liegt aufgrund der Zweidimensionalität alles ungefähr in der gleichen Entfernung. Auch wenn man die reale Beschaffenheit kennt, kann man sich hier nicht gegen die optische Täuschung wehren.

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Beispiel für Aufmerksamkeits- und Vergessensprozesse. Wenn man das Foto wiederholt abtastet und anschaut, kann der graue Eimer plötzlich für Sekundenbruchteile verschwunden sein. Wir übersehen ihn. Wir haben ihn vergessen. Am besten sieht man den Effekt, wenn das Bild größer angezeigt wird. Dann sind mehr und größere Augenbewegungen erforderlich.

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Beispiel Größentäuschung. Beide Wodkaflaschen sind geometrisch gleich groß. Eine Fotomontage. Man hätte die Flasche aber auch an einem Faden in gleicher Entfernung wie die rechte Flasche aufhängen können. Die Täuschung kommt zustande, weil wir wissen, dass die am Bahngleis sichtbare Perspektive verkleinert. Ein Objekt, was in der Perspektive gleich groß ist wie ein näheres Objekt, erscheint größer.

Beispiel: Entfernungstäuschung. Das Schillerdenkmal steht ungefähr 20 Meter hinter dem Bauwagen.

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Beispiel: Irritation durch farbliche Hervorhebung. Rot drängt sich in den Vordergrund. Die rote Parkplatzmarkierung scheint sich vom Boden zu lösen. Unterstützt wird das durch die senkrechte Positionierung innerhalb der Bildgeometrie.

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