Erfahrungsbericht Samyang 12 mm an Sony A6000

Motiv – Fototechnik – Ästhetik – Aussage

Weil ich unbedingt ein Superweitwinkel wollte, mir das Sony 10-18 mm aber zu teuer war, habe ich schließlich das Samyang 12 mm bei Media Markt gekauft. Der Bildwinkel beträgt rund 100 Grad. Das Objektiv kommt rein mechanisch mit Blendenring und Entfernungseinstellring. Eine Kommunikation mit der Kamera besteht nur indirekt über Schärfe und Helligkeit der Projektion auf den Sensor. Das Real-View Sucherdisplay ermöglicht eine direkte Beurteilung der Helligkeit. Für eine objektive Beurteilung empfiehlt sich die Betrachtung der im Display angezeigten Helligkeitskurve. Ist das Bild zu dunkel, kann man an der Kamera die Belichtungszeit verlängern oder die ISO-Zahl erhöhen. Am Objektiv kann man die Blende weiter öffnen. Ist das Bild in den hellsten Stellen zu hell und ohne Details, das Ganze umgekehrt.

Die Scharfstellung erfolgt objektivseitig durch Drehen am Entfernungseinstellring. Beurteilen kann man die Schärfe durch Verwendung des Fokus Magnifiers. Hierzu wird ein wählbarer Bildbereich stark vergrößert und ermöglicht eine visuelle Kontrolle der Schärfe. Aktivierung und Benutzung habe ich auf die Funktionstaste direkt neben dem Auslöser gelegt. Allerdings sollte man die Scharfstellung über den Sucher vornehmen. Am kleinen Klappdisplay ist das schwierig.

Im Kameramenü muss Release w/o Lens auf Enable gesetzt werden.

Am Programmwählknopf stellt man M oder S ein. S = Zeitvorwahl ist praktisch, weil der Drehknopf oben rechts dann die Zeiten verstellen lässt. Ist das Bild zu dunkel, stellt man eine längere Zeit ein und umgekehrt. Oder gibt mehr oder weniger ISO.

Das hört sich jetzt ein bisschen aufwändig an. In der Praxis gewöhnt man sich aber schnell daran.

Nachteile

Kein Autofokus, kein eingebauter Antishake, keine automatische oder halbautomatische Belichtung, kein Zoom.

Das Objektiv wird auch in Lightroom nicht erkannt, so dass keine automatische Auswahl des Objektivprofiles stattfinden kann. Bei neueren Abo-Versionen ist das Profil immerhin enthalten und man kann es auswählen. Bei älteren Versionen verwendet man einfach das Korrekturprofil Standard. Wenn man damit nicht zufrieden ist, kann man noch manuell die Objektiveinstellungen bearbeiten. Normalerweise unnötig, weil das Samyang bestens korrigiert ist. Bei manchen Motiven ist eine leichte tonnenförmige Verzeichnung zu erkennen. Ebenso kann es bei extremen Kontrasten zu einer chromatischen Aberration kommen. Beides lässt sich mit Lightroom problemlos entfernen.

Vorteile

Das Objektiv ist insgesamt sehr gut konstruiert und korrigiert. Die Bildschärfe nutzt die Leistung des Sensors voll aus und ist bei offener Blende schon gut.

Das Objektiv bietet mit Bl. 2.0 eine ungewöhnlich hohe Lichtstärke. Nahe Objekte kann man damit gut gegen einen unscharfen Hintergrund freistellen. Und schlechte Lichtverhältnisse sind kein Problem.

Die solide und robuste Verarbeitung spricht für sich. Nicht umsonst gibt der Großhändler Walser eine Garantie von 6 Jahren.

Bildbeispiel

Gesamtbild und darunter ein Ausschnitt in Vergrößerug 1:1 bzw. 100%

ISO 400,  Bl. 4,  1/60 sec

Fazit

Wenn man sich mit der manuellen Bedienung anfreunden kann, ist das Objektiv eine gute Wahl. Mir ist die Anpassung an das manuelle Arbeiten schon gut gelungen, aber bei weitem noch nicht perfekt. Der fehlende Antishake kann bei manchen Motiven ein Nachteil sein. Will man z.B. bewegte Objekte unscharf gegen einen scharfen Hintergrund haben, braucht man eventuell ein lange Belichtungszeit, die man ohne Antishake nicht realisieren kann, ohne auch den Hintergrund zu verwackeln. Oder man verwendet eben eine Kamera mit Antishake auf Sensorebene oder ein Stativ.

Letztendlich ist die Entscheidung für oder gegen das Objektiv natürlich auch von subjektiven Vorlieben abhängig.