Fototechnik

Motiv – Fototechnik – Ästhetik – Aussage

Über Fototechnik gibt es im Internet zahllose Abhandlungen. Und jede Menge Vergleichstests zwischen den Produkten verschiedener Hersteller. Außerdem ist die Fototechnik Ausgangspunkt und Schwerpunkt vieler Fotoanleitungen für Anfänger. Weil Sie vermutlich kein Anfänger mehr sind, können Sie dieses Kapitel auch überspringen. Nicht wenige Fotos, die ich täglich bei Flickr sehe, weisen allerdings den technischen Mangel einer unnötigen Unschärfe auf. Unnötig, weil die verwendeten Kameras meistens für scharfe Fotos gut genug sind. Auch in Zeiten von Autofokus und Antishake schleichen sich schnell einmal Fehler ein. Darum liegt der Schwerpunkt hier bei allgemeinen Hinweisen für ausreichende Bildschärfe. Nach wie vor sind Bildschärfe und Auflösung das Hauptargument für die Entscheidung beim Kamerakauf. Eine sehr ausführliche und neutrale Darstellung der Schärfeleistung von Kameras finden Sie z.B. hier bei  www.foto-schuhmacher.de (Die Seite ist nicht erreichbar, wenn VPN benutzt wird.)

Fototechnik allgemein

Fototechnik umfasst Kameratechnik, Bildbearbeitung und Fotodruckverfahren. Die meisten Fotobücher sind so aufgebaut, dass die Fotografie anhand der Kameratechnik und Bildbearbeitung abgehandelt wird. Das ist eine ziemlich bequeme aber einseitige Sichtweise, bei der das Gerät im Mittelpunkt steht. Ungefähr so, wie wenn man im Baumarkt erst einmal alle möglichen Werkzeuge kauft, und sich danach fragt, was man damit anstellen kann. Hier wird gefragt, was will man machen und welche Fototechnik ist dafür geeignet. Daher gibt es fototechnische Hinweise und Bezüge zu den Bereichen Motiv, Ästhetik und Aussage.

Das Ausgabemedium ist heute hauptsächlich der Bildschirm. Großbildschirme, Computer oder Smartphones. Fotos werden ganz überwiegend im Internet ausgestellt oder verwendet. Daneben gibt es aber auch immer noch die Ausgabe auf Fotopapier und den Fotodruck. Manche Möglichkeiten der Bildbearbeitung müssen schon bei der Aufnahme bedacht werden, damit sie überhaupt realisiert werden können. Der Bereich Fototechnik wird nur kurz behandelt. Für fototechnisches Detailwissen gibt es zahllose Publikationen. Auch in Wikipedia finden Sie das fotografische Basiswissen recht gut und einfach erklärt. Hier geht es nur darum, Fototechnik als notwendigen Teil des Gesamtkonzepts der fotografischen Aufnahme zu sehen.

Qualitätsmerkmale Sinn einer guten Bildqualität

Ein detailreiches und scharfes Foto lässt dem Betrachter die Freiheit, sich interessante Dinge näher anzuschauen. Das Foto enthält mehr Information. Es ist realistischer. Für viele Motive ist das sicher ein guter Weg. Allerdings stellt die Detailschärfe nur ein Potenzial dar, welches man richtig oder falsch einsetzen kann. Zu viele Details erhöhen die Komplexität und wirken eventuell verwirrend. Dazu später im Bereich der Bildgestaltung. Außerdem gibt es auch fotografische Konzepte, die auf maximale Bildqualität bewusst verzichten. Und etwa Unschärfe, Rauschen, Körnigkeit oder Fehlbelichtung absichtlich als alternative Gestaltungsmittel einsetzen.

Bildschärfe – Auflösung

Die Bildqualität von Kameras wird in erster Linie über die Auflösung definiert. Auflösung ist die Fähigkeit einer Kamera eine bestimmte Zahl kleinster Details oder Objekte aufzeichnen zu können. Üblicherweise wird auch der Begriff Schärfe verwendet. Allerdings ist der Schärfebegriff relativiert worden durch Dinge wie Betrachtungsabstand und Nachschärfen von Konturen in der Bildverarbeitung. Im Grunde schon fast ein psychologischer Begriff. Um die Auflösung einer Kamera zu testen, nimmt man das bestmögliche Objektiv und fotografiert eine Testchart mit Testmustern. Üblicherweise wird aufgrund der Testchart die Anzahl der aufgelösten Linien oder Doppellinien pro Bildhöhe ermittelt und als Vergleichsmaßstab angegeben.

Die Auflösung wird bei der Digitalkamera durch die Anzahl der lichtempfindlichen Sensoren oder Pixel bestimmt. Bei den Analogkameras durch Feinkörnigkeit der Silberemulsion und die Größe der Filmfläche. Bei digitalen und analogen Kameras kann die Auflösung durch schlechte Objektive verringert werden.

Hier interessiert vor allem der Nutzen der Auflösung für die Bildaussage. Wenn man etwa eine große Menschengruppe posieren lässt, etwa die Mitglieder eines Vereins oder einer Belegschaft, dann will man eigentlich jedes Gesicht scharf haben. Das können aber derzeit nur die besten Voll- oder Mittelformat-Digitalkameras. Daher werden auch heute noch gelegentlich großformatige Planfilmkameras eingesetzt, wenn man eine besonders hohe Auflösung erreichen will. Beispielsweise bei Architekturfotos oder großflächigen Werbeplakaten. Vielfach gilt extreme Detailschärfe auch als Qualitätsargument. Kunden professioneller Fotografen sehen Schärfe eben als Qualitätsmerkmal, weil es womöglich das Einzige ist, was sie wirklich beurteilen können. Welchen anderen Nutzen die Auflösung und Schärfe hat, wird an passender Stelle z. B. bei der Ästhetik / Bildgestaltung behandelt.

Zum Glück hat die Weiterentwicklung digitaler Kameras das leidige Thema Bildschärfe und Auflösung weitgehend unwichtig gemacht. Mit digitalen Kleinbildkameras (MicroFourThirds, APSC oder Vollformat) steht heute schon im bezahlbaren Amateurbereich eine leistungsfähige Technik zur Verfügung, die in der Praxis für die meisten Aufnahmezwecke völlig ausreicht. Nicht umsonst haben sich digitale Kleinbildkameras (Vollformat) längst zu einem Standardwerkzeug auch für Berufsfotografen entwickelt. Das analoge Mittelformat, welches lange Zeit diese Aufgabe erfüllte, ist so gut wie verschwunden. Es ist heute noch eine Nische für künstlerisch orientierte oder von antiken Kameras faszinierte Fotografen.

Objektivkorrektur

Die Qualität von Objektiven ist kein so gravierendes Problem mehr wie zu Zeiten analoger Fotografie. Damals gab es ganz enorme Qualitätsunterschiede. Selbst die preiswerten Standardobjektive (Kit-Objektive) sind für normale Zwecke meistens gut genug. Kein namhafter Hersteller kann sich erlauben, da Schrott anzubieten. Es sei denn, er will möglichst bald vom Markt verschwinden. Aber selbstverständlich gibt es nach wie vor Qualitätsunterschiede in mechanischer Stabilität, Korrektur und Auflösung. Gut korrigierte Objektive haben eine nur geringe Bildfeldwölbung. Geraden erscheinen auch im Randbereich gerade. Die Scharfstellung ist genau auf eine plane Bildebene ausrichtbar. Weniger gut korrigierte Objektive haben eine stärkere Bildfeldwölbung. Besonders beim Fotografieren ebener Testcharts kommt es zu leichten Randunschärfen, die auch nicht durch spätere Korrektur mit Software ausgeglichen werden können. Weil man es in der Praxis aber selten mit planen Motiven zu tun hat, wirken sich diese Mängel nicht unbedingt aus.

Lichtstärke

Lichtstarke Objektive, meist Festbrennweiten, erweitern die fotografischen Gestaltungsmöglichkeiten und sind für manche Bereiche ein Muss. Speziell bei der Personen- und Eventfotografie, wo es häufig unerlässlich ist, die Hauptmotive gegen einen unscharfen Hintergrund freizustellen. Auch bei Aufnahmen bewegter Objekte bei schwachem Licht, z. B. in einer Diskothek, braucht man die hohe Lichtstärke. Trotz enorm gestiegener Lichtempfindlichkeit der modernen Kamerasensoren.

Geschwindigkeit

Bei bewegten Motiven ist eine geringe Auslöseverzögerung gefragt. Oder die Möglichkeit schnelle Serien zu schießen. Und eine kurze Verschlusszeit. Wenn man die Serie eines Bewegungsablaufs nach der Aufnahme analysiert, kann man sich eine Position des bewegten Objekts aussuchen, die am besten in die Bildkomposition passt.

Sucher

Heute übliche Sucher bei Systemkameras sind Spiegelreflexsucher und elektronische Sucher. Ein Sucher zeigt eine Vorschau des späteren Fotos und ermöglicht eine gezielte Komposition und Auswahl des Ausschnitts. Er schaltet störendes Umgebungslicht aus und lässt die volle Konzentration auf das Motiv zu. Eigentlich eine Notwendigkeit.

Displays

Außen an der Kamerarückseite angebrachte Bildschirme bzw. Displays. Oft klapp- und schwenkbar. Sinnvoll für Situationen, in denen ein Blick durch den Sucher nicht möglich ist. Beispielsweise bei sehr tiefer Kameraposition oder bei Aufnahmen über Kopfhöhe. Nachteile sind die oftmals schwere Erkennbarkeit bei hellem Umgebungslicht und die umständliche Benutzung für Kurz- und Weitsichtige. Der Kurzsichtige muss seine Fernbrille abnehmen, der Weitsichtige eine Lesebrille aufsetzen.

Smartphone zur Steuerung der Kamera

Moderne Kameras können mittlerweile das Sucher- oder Displaybild auf ein Smartphone übertragen. Smartphone-Bildschirme sind normalerweise größer, heller und höher auflösend als an der Kamera befestigte Displays. Außerdem lässt sich die Kamera direkt am Smartphone auslösen. Allerdings ist diese Technik (Stand: 2016) teilweise noch umständlich und unausgereift. Aber für spezielle Anwendungen schon jetzt geeignet.

Smartphone als Immer-dabei-Kamera

Mittlerweile liefern Smartphones recht ordentliche Fotos, die für viele Zwecke bereits ausreichen. Artikel: Smartphone vs. Systemkamera 

Tipps für maximale Bildschärfe

Unbeabsichtigte Unschärfe ist noch immer ein Hauptgrund für misslungene Fotos. Und weil die optimale Schärfe gar nicht so einfach zu erreichen ist, hier noch ein paar konkrete Tipps. Sozusagen eine Checkliste. Fortgeschrittene Hobbyfotografen können das natürlich überspringen.

Belichtungszeit

Unschärfe durch leichte Kamerabewegungen bei Freihandaufnahmen wird durch eine zu lange Belichtungszeit begünstigt. Ebenso durch lange Brennweiten. Daher gilt noch immer die einfach anzuwendende Faustregel: Maximale Belichtungszeit = 1 / Brennweite. Bei einem Weitwinkel von 20 mm Brennweite also 1/20 Sekunde. Bei einem Teleobjektiv von 500 mm Brennweite 1/500 Sekunde. Diese Faustregel bezieht sich auf analoge Kleinbildaufnahmen mit 21 DIN bzw. 100 ISO. Für die teilweise deutlich kleineren und trotzdem höher auflösenden Digitalformate muss diese Belichtungszeit eigentlich weiter verkürzt werden. Bei Verwendung von Bildstabilisatoren (Antishake) wird das allerdings ausgeglichen, so dass die alte und einfache Faustregel im wesentlichen immer noch gültig ist. Wer es genau wissen will, sollte mit seiner Kamera einmal eine Belichtungsserie machen und dann die Resultate in der 100-Prozent-Vergrößerung anschauen. Werden dort Doppelkonturen sichtbar, war die Belichtungszeit zu lang.

Optimale Blende

Starkes Abblenden kann zu Beugungsunschärfe führen. Die Detailschärfe wird verringert. Wer es genau wissen will, findet zahlreiche Publikationen im Internet. Noch besser ist Ausprobieren.

ISO

Die meisten Kameras bringen bei niedriger ISO-Zahl (oft 100 ISO) die beste Detailauflösung. Die notwendige Belichtungszeit und Blende haben in der Praxis aber Vorrang. Man erhöht ISO, wenn man sonst eine zu lange Belichtungszeit oder eine zu große Blende mit zu wenig Schärfentiefe erhält.

Richtige Belichtung

Bei Unter- oder Überbelichtung nimmt die Detailschärfe ab. Man sollte also die Belichtung an den Motivteilen ausrichten, für die man maximale Schärfe haben will. Hilfreich ist auch bei modernen Kameras die ins Display einblendbare Helligkeitskurve (Histogramm). Empfohlen wird eine Kurve, die den rechten Bereich voll nutzt (Rechtsbelichtung). Aber das hängt auch vom konkreten Sensor ab. Wer es genau wissen will, muss Tests mit einer Belichtungsreihe machen.

Richtige Fokussierung

Ein Motiv oder besser eine Foto-Szene ist meistens in der Tiefe gestaffelt. Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund. Die einzelnen Motivbereiche befinden sich in unterschiedlichen Entfernungen zur Kamera. Wir haben unterschiedliche Entfernungsebenen im Motiv. Die Entfernungseinstellung oder Fokussierung kann aber nur auf eine dieser Entfernungsebenen eingestellt werden. Und nur Motivteile, die sich in genau dieser fokussierten Entfernungsebene befinden, werden maximal scharf und detailreich abgebildet. Diese Einstellebene liegt senkrecht auf der optischen Achse der Kamera und parallel zur Sensorfläche. Die Frage nach der richtigen Fokussierung ist dann auch ein gestalterisches und psychologisches Problem. Sie sollten sich nämlich fragen, wo sie die maximale Schärfe haben wollen. Wo wird der Betrachter hinschauen, was will er genau sehen. Was ist am wichtigsten. Bei Mensch und Tier wird man die Augen scharf haben wollen. Bei Landschaften können es Details in Mittel- und Vordergrund sein. Immer wenn Schriften in der Foto-Szene vorhanden sind, wird man die Schärfe nach der Lesbarkeit der Schriften beurteilen. Die richtige Einstellungsebene ist also eine sehr subjektive und individuelle Angelegenheit. Ist die Entscheidung gefallen, muss man nur noch richtig einstellen oder fokussieren. Aber das hat auch so seine Tücken.

Auf zwei weit verbreitete Fehler möchte ich daher hinweisen. Die Form des Autofokus-Messfelds hat Konsequenzen. Verwende ich ein großes Messfeld und befinden sich darin Objekte in unterschiedlicher Entfernung, stellt die Kamera auf eine durchschnittliche Entfernung scharf, die sich aus den einzelnen Objektentfernungen errechnet. Beispiel: ich fotografierte einen Verteilerkasten mit Aufklebern und kleinen Schriften. Ein Teil des Autofokus-Messfelds erfasste noch die hinter dem Verteilerkasten befindliche Wand. Ergebnis: die kleinsten Schriften der Sticker waren nicht mehr lesbar. Ich bin fast verzweifelt. Wenn es auf die Lesbarkeit kleiner Schriften ankommt, hilft nur ein kleines Messfeld (Spot) auf genau diese Schriften.

Das Feld des Spot-Autofokus liegt normalerweise in der Mitte des Suchers und kann nur bei neueren Kameras beliebig im Sucherbereich verschoben werden. Bei unbeweglichem mittigen Fokus, wird bei Objekten abseits der Bildmitte die Kamera in Richtung Objekt verschwenkt, fokussiert, der Fokus festgehalten und vor der Auslösung die Kamera wieder in den gewünschten Bildausschnitt bewegt. Allerdings fotografiert man dann mit einer Fokussierungs-Ebene, die hinter der tatsächlichen Entfernungsebene des Objektes liegt. Das hat aufgrund der Schärfentiefe oftmals gar keine Folgen, ist aber ungenau.

Beurteilung der Bildschärfe

Zur Beurteilung der Bildschärfe verwendet man am besten die 100-Prozent-Ansicht des Fotos in der jeweiligen Bildbearbeitung. Verwackeln erkennt man an unscharfen Doppelkonturen, falsche Fokussierung an unscharfen Details. Das Rauschen ist unmittelbar erkennbar und kann mit der Rauschreduzierung gleich entfernt werden. Wenn Sie Ihre Fotos immer auch in der 100-Prozent-Ansicht betrachten, bekommen Sie mit der Zeit ein sicheres Gefühl dafür, ob Sie mit der jeweiligen Kamera unter den jeweiligen Aufnahmebedingungen eine zufriedenstellende Bildschärfe erreicht haben. Sie dürfen allerdings nicht erwarten, dass die 100-Prozent-Ansicht knackig scharf und detailreich ist. Schließlich ist sie nur ein winziger Ausschnitt eines viel größeren Bildes, welches in seiner Gesamtheit scharf erscheinen soll:


Foto in Gesamtansicht

100-Prozent-Ausschnitt

Bildbearbeitung

Die digitale Bildbearbeitung hat die traditionellen chemischen Entwicklungsverfahren im professionellen Bereich bereits seit etwa 1990 zunehmend abgelöst. Also lange vor den ersten brauchbaren Digitalkameras. Der damals übliche Weg war Fotografieren mit Film, Scannen des Films, Ausgabe über einen Belichter oder Printer. Wer heute noch analog fotografiert, kommt um eine digitale Bildbearbeitung kaum herum, weil sie unendlich viel mehr Möglichkeiten bietet als traditionelle Laborentwicklung.

Bildbearbeitung ist heute allerdings keine notwendige Voraussetzung mehr für die Erstellung und Präsentation von Fotos. Sie findet bei Verwendung von JPG (Fine) schon in der Kamera statt. Die von der Kamera erzeugte Fotodatei ist bereits ein anschaubares Foto. Vielfach werden Fotos direkt aus der Kamera ins Internet hochgeladen und dort in einer Fotogalerie präsentiert. Für höchstmögliche Qualität speichert man die Aufnahmen aber nach wie vor auf RAW-Format. Und bearbeitet sie mit RAW-Konverter, Adobe Lightroom und ggf. Adobe Photoshop oder weiterer Software.

Sie sollten schon bei der Aufnahme bedenken, was Sie später in der Bildbearbeitung noch herausholen können. Manche Motive wirken überhaupt erst nach einer passenden Bildbearbeitung. Beispiel Schatten:


Schattenwurf unbearbeitet

Schattenwurf nach Schwarzweiß umgewandelt

Für die später in der Bildbearbeitung oftmals notwendige Korrektur der Perspektive oder die horizontale Ausrichtung sollte man den Ausschnitt geringfügig größer wählen. Das ist Erfahrungssache und schon bei der Aufnahme wichtig. Einige für die Fotowirkung besonders interessanten Elemente der Bildbearbeitung werden im Bereich Ästhetik angesprochen. Allerdings ohne konkrete Verfahrensanleitungen. Dafür gibt es Google. Es ging in diesem Kapitel nur darum, die Bildbearbeitung als wichtigen Teil in den Gesamtprozess der Fotografie einzuordnen.

Bildbearbeitung ist problematisch, wenn sie dazu dient, schlechte Fotos noch irgendwie zu verbessern. Ziel sollte sein, Fotos technisch und gestalterisch schon so gut zu fotografieren, dass Bildbearbeitung auf das Unvermeidliche oder Geplante beschränkt werden kann. Das hat auch den Vorteil der Zeitersparnis. Wenn man technisch und kompositorisch fehlerhafte Fotos in der Bildbearbeitung nachträglich aufpoliert, verschwendet man eine Masse an Zeit, die man besser in neue interessante und gelungene Fotos investiert. Aber wie im Bereich der Fotoftechnik gibt es auch hier Experten, die das letzte aus einem Foto herausholen können. Diese Experten haben selbstverständlich eine wichtige Funktion. Jemand muss ja die moderne Bildbearbeitung entwickeln oder kritisch begleiten. Oder Publikationen und Seminare zu dem Thema erstellen. Ohne solche Experten würde die heutige Bildbearbeitung gar nicht existieren. Und ein solides Wissen über Bildbearbeitung schadet natürlich nicht.

Der Einsatz grafischer Elemente und Methoden wie Grafikfilter, HDR, Tonemapping, Stitching, Retuschieren sollte dort erfolgen, wo es wirklich etwas bringt. Fotomontagen sind interessant. Sofern sie nicht gemacht werden, weil man in der Realität keine Objektkombinationen und Motive findet. Die beste „Montage“ liegt in der Zusammenstellung der Foto-Szene, also im Motiv selbst. Der realistische Charakter der Fotografie geht bei übertriebenen Bildmanipulationen tendenziell verloren.

Allerdings kann mit Bildbearbeitung grafische Kunst geschaffen werden. Das ist dann aber keine Fotografie im ursprünglichen Sinn mehr.

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