Aufteilung des Fotos

Aufteilung der Bildfläche

Bezogen auf die senkrechte Mittelachse der Bildfläche können wir ein Objekt nach rechts oder links oder in die Mitte setzen. Bezogen auf die waagrechte Mittelachse nach oben, unten oder in die Mitte. …. wird noch ausgearbeitet. Das Vorne oder Hinten entsteht durch die Perspektive. …….

 

Der Goldene Schnitt als Schema der Aufteilung

Die Bildaufteilung wie Platzierung des Horizonts oder eines Objektes wird allgemein als harmonisch empfunden, wenn sie ungefähr dem Goldenen Schnitt entspricht. Die Formel des Goldenen Schnitts für die ästhetische Aufteilung einer Gesamtheit, z.B. einer Strecke lautet
Φ = a / b = (a + b) / a ≈ 1,618
Phi ist die sogenannte Goldene Zahl, a = größerer Teil, b = kleinerer Teil
Für die Abschätzung im Kamerasucher sind Prozentangaben besser geeignet:
a ≈ 61,8 % b ≈ 38,2 % ungefähr 6 Teile zu 4 Teilen auf einer 10-teiligen Skala

Drittel-Regel

Noch besser und mit einem 3 x 3 Gitterraster leicht zu beherrschen ist die  Drittelregel:
a ≈ 66 % b ≈ 33 %
Das trifft den Goldenen Schnitt allerdings nur ungefähr. Praktisch jedoch, weil sich bei den meisten Kameras ein 3 x 3-Raster einstellen lässt. Alles in allem ist der Goldene Schnitt ein Denkmodell zur Harmonisierung der Flächeneinteilung. Es schadet nichts, die Flächeneinteilung bewusst zu betrachten und auszuprobieren. Es ist eine einfache Geschichte, weil es hier nur um eine senkrechte und waagrechte Positionierung von Motivteilen handelt. Eine Art Hin- und Herschieben bzw. ein Hinauf- und Herunterschieben.

Wenn wir das Hauptmotiv, z. B. einen Menschen, genau in die Mitte des Bildes platzieren, wirkt das oft zu symmetrisch und zu langweilig. Im Sinne der Formel von Birkhoff könnte man auch von zu viel Ordnung sprechen. Stellen wir die Person ganz nach rechts an den Rand, entsteht ein Ungleichgewicht, oder mit Birkhoff unnötige Komplexität. Irgendwo dazwischen, zwischen Rand und Mitte erhalten wir das richtige Verhältnis von Ordnung und Komplexität. Wir sehen das auch an den Bildformaten selbst. Ein quadratisches Bild wirkt sehr streng symmetrisch und fast langweilig. Ein langgestrecktes Panoramaformat gefällt normalerweise auch nicht so richtig. Die üblichen Bildformate, deren Seiten ungefähr im Verhältnis des Goldenen Schnitts stehen, empfinden wir als angenehmer. Sie entsprechen ja auch annähernd dem Blickwinkel des Auges.
Beispiel: Der Einkaufswagen teilt das Foto mit seiner rechten Kante etwa im Goldenen Schnitt. Trotz asymmetrischer, nach links gerückter Zentralperspektive wirkt das Foto stabil und harmonisch.


Im Goldenen Schnitt

Ausrichtung an der Geometrie der Bildfläche

Die Bildfläche hat einige prägnante geometrische Eigenschaften, die für die Bildgestaltung genutzt werden können.
Das beginnt mit dem Aufnahmeformat. Ein Format, das dem Goldenen Schnitt entspricht, bringt schon einmal einen ästhetischen Mehrwert. Nach Birkhoff ist der ästhetische Wert eines Quadrates geringer, als der eines Rechtecks. Stark vom Goldenen Schnitt abweichende Formate, wie etwa bei Panoramafotos üblich, reduzieren den ästhetischen Wert. Auch bei Hochformaten ist Vorsicht geboten, weil sie der menschlichen Wahrnehmung im Grunde zuwider laufen. Allerdings passt das Hochformat gut zu den Buchformaten und erlebt gerade eine weite Verbreitung über die Smartphone-Fotografie. Wie bedeutend der Rahmen für die Ästhetik eines Fotos ist, sehen wir daran, dass viele Fotos durch einen umgebenden Rahmen ästhetischer wirken.

Das geometrische Grundgerüst eines rechtwinkligen Bildformats sind die waagrechte und senkrechte Symmetrieachse und ihre Parallelen, sowie die beiden Diagonalen und deren Parallelen. Im Schnittpunkt liegt die geometrische Bildmitte. Vereinfacht ausgedrückt kann man versuchen, die Fotoszene oder Teile davon an Waagrechten (Horizontalen), Senkrechten (Vertikalen) oder Diagonalen auszurichten. Typisch und meistens sinnvoll ist die waagrechte Ausrichtung des Horizonts und die senkrechte Ausrichtung von Objekten, die auch in der Realität senkrecht stehen. Nach der Birkhoff erhöht sich dabei der Grad der Ordnung.

Eine zu strenge Ausrichtung an der Geometrie der Bildfläche kann auch zu viel Ordnung bedeuten. Das Foto wirkt dann eventuell steril, formal, statisch oder langweilig. Auf das Gleichgewicht zwischen Ordnung (Ausrichtung) und Komplexität kommt es an.  Die geometrisch richtige Ausrichtung wirkt in der menschlichen Wahrnehmung manchmal falsch und die geometrisch falsche Ausrichtung kann umgekehrt zu einer als richtig empfundenen Wahrnehmung führen.

Beispiel: Waagrechte und parallele Ausrichtung des Containers an den Bildrändern. Man erwartet bei den meisten Fotos, dass der Horizont waagrecht im Foto liegt. Andere Lagen müssen einen guten Grund haben, wenn sie nicht wie ein Fehler oder Nachlässigkeit wirken sollen. Zudem ist der Container leicht nach links versetzt. Dadurch wird einerseits die übertriebene Ordnung etwas reduziert und andererseits eine bessere Balance erreicht. Die rechte Bildhälfte wird in der menschlichen Wahrnehmung etwas stärker gewichtet. Bei einem Versatz nach rechts wäre das Foto nach rechts gekippt. Es sei denn, man hätte in den freien Raum links z.B. noch einen Besucher gesetzt, der für den Ausgleich gesorgt hätte.


Geometrische Frontalansicht

Beispiel: Geländerverlauf in der Bilddiagonale. Es ging um die Aufschriften an der Geländerunterseite. Die Streben des Geländers stehen stabil senkrecht und parallel.

Geländer in die Bilddiagonale gelegt

Im Grunde genommen ist jedes halbwegs gute Foto solide in der Geometrie der Bildfläche verankert. Rahmen und Format sind wesentlicher Teil der Wahrnehmung des Fotos. Unsere normale und direkte Wahrnehmung hat dagegen keinen scharf umgrenzten Rahmen. Sicher einer der Gründe, warum wir die auf Fotos abgebildete Realität etwas anders wahrnehmen als die direkte unvermittelte Realität. Normalerweise nehmen wir einen schiefen Horizont gar nicht wahr. Erst innerhalb des Rahmens eines Fotos fällt er uns dann unangenehm auf. Überhaupt bietet der Rahmen einen Vergleich, der uns schiefe Linien sofort deutlich erkennen lässt.

 

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