Aussage

Aussage allgemein

Motiv – Fototechnik – Ästhetik – Aussage

Die üblichen Floskeln, wie in traditionellen Fotobüchern das Thema behandelt wird, lauten „Das Foto hat eine starke Aussage“, „Das Foto sagt mir etwas“, „Das Foto sagt mir nichts“, „Das Foto ist ansprechend“ usw. Damit kann man in der Praxis nicht viel anfangen. Im Englischen entspricht die Aussage der Message. Schon früh wurden in den USA sogenannte Kommunikationsmodelle entwickelt, welche die Message in einen funktionalen Zusammenhang einbinden. Das Urmodell stammt von den Mathematikern Shannon und Weaver. Ein rein technisches Modell, das jedoch in den Sozialwissenschaften adaptiert wurde, und nach wie vor ein einfaches und gültiges Modell von Kommunikation darstellt. Das Modell stellt Fotografie in einen neuen und zeitgemäßen Zusammenhang. Man kann es natürlich auch auf die Fotografie übertragen.


Modell frei nach Shannon und Weaver

Vor Einführung des Internet war die Hobby-Fotografie Privatsache. Freunde, Verwandte, Vereinsmitglieder, Mitschüler oder Arbeitskollegen bekamen die Fotos zu sehen. Manchmal gelangte auch eines in die lokale Presse oder eine Zeitschrift. Man machte sich keine Gedanken über Aussage und Zielgruppen. Und auch nicht über mögliche Konsequenzen einer Veröffentlichung. Und Feedback gab es so gut wie keines. Eine persönliche Weiterentwicklung und Verbesserung war daher schwierig oder unmöglich. Die Aussage macht einen guten Teil der möglichen Wirkung eines Fotos aus.

Für Fabio Bucciarelli, einen bekannten Kriegsfotografen, besteht die angestrebte Wirkung seiner Fotos darin, dass sie zum Nachdenken über das durch Kriege hervorgebrachte menschliche Leid anregen sollen. Das Foto als Denkanstoß.

Mit dem Internet hat sich das radikal verändert. Fotografie ist neu definiert worden. Die Fotografie kann als Botschaft innerhalb einer visuellen Kommunikation verstanden werden. Heute erhält man direkte Rückmeldungen durch Faves und Kommentare. Man kann die Qualität von Fotos daher besser einschätzen und an einer gezielten Verbesserung arbeiten. Überlegungen zur Aussage werden plötzlich wichtig. Und man macht sich natürlich auch Gedanken über seine Zielgruppen. Auch hervorragende Fotos kommen nicht bei allen Betrachtern gut an. Man wird seine Fotos zunehmend überlegter, gezielter und hochwertiger gestalten. Das ist ein großer Vorteil. Aber wo viel Licht, da ist auch Schatten. Mit dem Hochladen von Fotos findet deren Veröffentlichung statt. Und damit ist Vorsicht geboten, weil die Veröffentlichung eventuell durch Gesetze reglementiert bzw. untersagt ist.

Das Zentrum des Kommunikationsmodells ist die Message oder Aussage. Für die Analyse verwende ich ein stark vereinfachtes heuristisches Modell aus den Sprachwissenschaften. Das ist gerechtfertigt, weil ja Aussage oder Bildsprache auch schon sprachbezogene Begriffe sind. Heuristisch heißt, man soll damit verschiedene Bildvarianten durchspielen können und kreative Möglichkeiten entdecken. Es ist dazu notwendig den Inhalt eines Fotos etwas analytisch aufzubereiten, weil die natürliche und ganzheitliche normale Betrachtung keine Differenzierung erlaubt. Und differenzierte Betrachtung einzelner Elemente ist Voraussetzung für den kreativen Vorgang der Komposition eines Fotos aus einzelnen Elementen. Die Aussagenanalyse kann dann bereits bei der Wahl und Bearbeitung einer Foto-Szene herangezogen werden und ist nicht nur zur Bildbeschreibung eines fertigen Fotos.

 

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