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Manipulation von Bildern

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Es unglaublich viele Möglichkeiten wie man die Wirkung und Aussage von Fotos manipulieren kann. Aus meinem System oder Kreatormodell der Fotografie lassen sich diese Möglichkeiten mit etwas Nachdenken direkt ablesen und konstruieren. Die meisten Menschen verbinden die Fotomontage damit. Diese ist aber nur ein kleiner Teilbereich der Bildbearbeitung. Viel wirksamer ist der Bereich des Motivs. Durch Weglassen oder Hinzufügen von Objekten mittels Bildausschnitt, Perspektive und Standpunkt lässt sich viel mehr Wirkung erzielen.

Um einen Überblick zu gewinnen, kann man die verschiedenen Manipulationsarten einer Stelle im fotografischen Prozess zuordnen. Das hat den Vorteil, dass man bei der Erstellung eines Fotos gleich auch Möglichkeiten der Manipulation als fotografische Mittel überdenken kann. Manipulation muss dabei auch nicht unbedingt negativ gesehen werden, sondern kann auch einfach der Verbesserung der Bildwirkung dienen.


Die Motiv-Szene

Jedes Foto setzt fotografierbare Objekte, also eine Motiv-Szene voraus. Ich Gegensatz zu sprachbasierten Manipulationen, die gerne und oft von reinen Fantasie-Objekten ausgehen. Will man mit Fotos manipulieren, beginnt man daher bei Auswahl und Zusammenstellung des Motivs. Am wichtigsten sind wohl gestellte Szenen mit (Laien-)Schauspielern.  Solche Fakes sind in der Kriegspropaganda alltägliches Geschäft. Viele Manipulationen sind so üblich, dass sie gar nicht mehr als solche erkannt werden. In den Bereichen Mode, Werbung, und Produktfotografie ist sowieso alles hochgradig künstlich arrangiert. Ebenso bei der Personenfotografie im Studio.

Aber auch für Hobbyfotografen eröffnen sich einige Möglichkeiten, Situationen zu arrangieren. Ein scheinbar genialer Schnappschuss kann durch Mithilfe einer anderen Person produziert werden. Auch Zufallsfunde wie z. B. urbane Stillleben lassen sich mit etwas Geschick aussagestärker und schöner arrangieren. Man kann auch etwas dazu stellen oder wegnehmen.

Die Bildbearbeitung

Bei Fotomanipulation denkt man zuerst an Photoshop. Und nicht zu Unrecht. Die meisten Manipulationen werden im Nachhinein mit der Bildbearbeitung produziert.  Üblich und normal ist die Verbesserung des Ausgangsfotos durch Veränderung von Kontrast, Farben, Helligkeit, Korrektur perspektivischer Verzerrungen und vielem mehr. Das wird schon gar nicht als Manipulation wahrgenommen. Aber es sind bereits diese einfachen und üblichen Mittel, welche die Aussage eines Fotos in eine gewollte Richtung verändern und verfälschen können. Das vielleicht beste Beispiel ist die Veränderung der Hautfarbe. In Lightroom genügen wenige Klicks, um ein Gesicht blass und kränklich, gesund oder cholerisch (Rot) erscheinen zu lassen. Mit Erhöhung des Detailkontrasts kann man jede noch so kleine Falte oder Hautunreinheit herausarbeiten. Oder durch Reduktion des Detailkontrasts Falten und Alterung weniger auffällig erscheinen lassen. Die Perspektivekorrektur kann ein Gesicht schlanker oder fülliger machen.

Etwas aufwändiger und über die normalen Grundbearbeitung hinausgehend ist die Retusche. Bleiben wir beim Gesicht. Dort lassen sich Fältchen und sonstige Schönheitsmängel reduzieren oder entfernen. Noch aufwändiger ist die Fotomontage. Aus mehreren Fotos einer Serie oder aus Fotos die zu ganz unterschiedlichen Zeiten aufgenommen wurden und eventuell verschiedene Urheber haben. lässt sich alles zusammenbauen. Da kann man auch ein Männchen auf die Marsoberfläche kopieren.

Die fotografischen Gestaltungsmittel

Der Einsatz fotografischer Gestaltungsmittel ist am unauffälligsten. Hier liegt auch der Hauptschwerpunkt aller Manipulationen. Die Massenmedien, aber auch das Internet sind voll davon. Allein schon die Wahl des Ausschnitts und der Perspektive eröffnet zahlreiche Varianten ein und derselben Motiv-Szene. Das einfachste Mittel ist die Veränderung der Aussage durch Weglassen. Beispiel: Polizisten schlagen auf einen am Boden Liegenden ein. Weggelassen wird,  dass der am Boden Liegende seinerseits auf einen Polizisten einschlägt, der unter ihm liegt.

Im Grunde genommen können alle bekannten fotografischen Mittel auch zur Verfälschung und Manipulation verwendet werden. Besonders beliebt ist alles, was Personen schöner oder auch nachteiliger erscheinen lässt, als diese in der Realität tatsächlich sind.

Die Aussage

Eine bestimmte gefälschte oder manipulierte Information bestimmt die Aussage eines Fotos. Aber man kann eine Manipulation nicht durchführen, ohne dass man von der gewünschten Aussage ausgeht. Der fotografische Prozess ist also nicht als ein einseitiger Ablauf vom Motiv bis zur fertigen Aussage zu sehen. Sondern die Aussage bestimmt auch die Wahl des Motivs und der eingesetzten Mittel. Das gilt aber ebenso für jede normale und durchdachte Fotografie. Insofern sind Überlegungen zum Thema Bildmanipulation auch eine Bereicherung für alle, die den fotografischen Prozess besser durchschauen und flexibler gestalten wollen. Eine böse Absicht ist nicht erforderlich. Ein einfaches und effektives Mittel der Aussagenanalyse liefert die Semiotik. Sie wird in der ersten Auflage meines Fotobuchs bereits behandelt und in der geplanten zweiten Auflage noch erweitert und vertieft. Natürlich mit Beispielen. Denn alle Theorie ist grau.

Beeinflussung der Aussage durch den Kontext

Ein Bild kommt selten allein. So werden manchmal auch Serien aus Fotos geliefert, die überhaupt nicht zusammengehören. Ergänzen …