Gestaltung von Dokumentarfotos

Motiv – Fototechnik – ÄsthetikAussage

 

Wie gut eine Dokumentarfoto gestaltet sein sollte, hängt natürlich nicht zuletzt vom Zweck ab. Wer z. B. Fotos für den Internetauftritt einer Firma machen muss, wird die Fotos genau planen und alle fotografischen Mittel ausschöpfen, um eine gute ästhetische Wirkung zu erzielen. Der Unterschied zu einem Kunstfoto, welches vorrangig mit ästhetischen Absichten gemacht wird, liegt nur im Ziel. Das Dokumentarfoto soll so gut wie möglich über eine Motivszene oder ein Objekt informieren. Dazu gehören räumliche, funktionale und bei einer Serie vielleicht auch zeitliche Zusammenhänge. Die fotografischen Techniken, Mittel und sonstigen Überlegungen unterscheiden sich nicht wirklich. Außer dass man bei einem Dokumentarfoto eher sparsam mit künstlerischen Verfremdungen umgeht und besser ganz auf Künsteleien verzichtet.

Das Ganze wäre eigentlich gar nicht diskussionswürdig, wenn nicht unter Hobby- und Amateurfotografen die Einstellung weit verbreitet wäre, dass man sich bei der Aufnahme von dokumentarischen Fotos keinerlei Mühe geben müsste. Manche meinen sogar, dass sie nur auf diese Weise die unverfälschte Realität zeigen könnten.

Da gibt es Leute mit einem enormen dokumentarischen Drang, die täglich 50 und mehr Fotos etwa in Flickr hochladen. Davon einzelne Motive gleich in mehreren Ansichten und Ausschnitten. Schiefe Horizonte, stürzende Linien, sinnlose Ausschnitte und ein katastrophales  Durcheinander.

Das muss doch wirklich nicht sein. Ein guter Fotograf ist immer ein guter Fotograf. Egal was er fotografiert, wird er automatisch ein Minimum an gestalterischen Mitteln einsetzen. Das ist keine Kunst, sondern Handwerk. Und in der Praxis kostet es auch nicht viel Anstrengung. Einfach Routine. Deswegen versuche ich ja in meinem Fotobuch, die verfügbaren Mittel so systematisch darzustellen, dass sie wie eine Art Checkliste angewendet werden können.

Hier einmal ein kürzlich aufgenommenes Beispiel mit den damit verbundenen Überlegungen:

Den bei den Sturmtief „Egon“ umgestürzten Baum sah ich im Vorbeifahren und beschloss, das Objekt am nächsten Morgen (Sonntag) in aller Ruhe zu dokumentieren. Ein Glücksfall war die in der Nähe über die Straße führende Fußgängerbrücke. So konnte ich einen erhöhten Standpunkt aufsuchen. Wenn es um eine maximal räumliche und proportionale Darstellung eines Objektes geht, ist ein erhöhter Standpunkt, der eine Aufsichtsperspektive bietet, günstig. Ebenfalls die Schrägaufnahme, weil sie die Ausdehnung des Objekts nach Länge und Breite proportional zeigt. Es ist eine Frage des günstigen Sehwinkels auf die einzelnen Teile des Objekts. Man sieht hier Oberfläche, Länge, Breite und Höhe. Und könnte das Objekt sogar ausmessen. Der Sehwinkel ist ein zentral wichtiger Aspekt bei der Verwendung von Perspektive. Daher ist es auch sinnvoll, sich mit Perspektive etwas theoretisch auseinanderzusetzen.

Ein ästhetischer Ordnungsfaktor, der das Durcheinander überschaubar macht, sind die Senkrechten. Ich musste dabei keine aufwändige Perspektivekorrektur bemühen, weil die verwendete Telebrennweite kaum verzerrt, und ich die Kamera auch an den senkrechten Elementen ausgerichtet hatte.

 

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